Geschäfte mit Angst und Unwissenheit

Nicht wenige Firmen wittern ein gutes Geschäft mit der Angst vor Schimmel und der Unwissenheit von Kunden. Zum Teil grenzt die Vorgangsweise sogar an Betrug bzw. kann mitunter als solcher angesehen werden.

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine fachgerechte Beurteilung eines Schimmelbefalls zu komplex ist, um vom Schreibtisch her erledigt zu werden. Eine fachgerechte Befundung, die eine Besichtigung vor Ort beinhaltet, ist in jedem Fall unverzichtbar! Ein zentraler Punkt dabei ist, dass die Beurteilung eines Schimmelbefalls und gegebenenfalls die Sanierungskontrolluntersuchung von unabhängigen Experten durchgeführt werden, die nicht selbst von möglichst aufwändigen Sanierung profitieren.

Sowohl die VDI 4300 Blatt 10 als auch das Positionspapier zu Schimmelpilzen in Innenräumen des Arbeitskreises Innenraumluft am Lebens­ministerium empfehlen normgerechte, aktive Raumluftuntersuchungen der Sporenkonzentration durch Experten vor Ort. Diese Vorgangsweise eignet sich für die aussagekräftige Bestimmung von Schimmelpilzsporen-Konzentrationen in Innenräumen.

 

Ein fachgerechte, von Experten durchgeführte Messung hat den Vorteil, dass die Ursache erörtert und gegebenenfalls behoben werden kann. Wenig aussagekräftig ist dagegen eine Messung nach "Verneblungen" bzw. "Keimfreimachen" von Räumen, da tote Bestandteile, die aber ebenfalls gesundheitlich hoch wirksam sind, nicht erfasst werden.

Im Bereich von Sanierungen werden Betroffene ebenfalls häufig übervorteilt. Einerseits wird Schimmel oft völlig unfachmännisch durch einfaches Überstreichen mit Wandfarbe "saniert", mitunter sogar mit meist unnötiger fungizider Farbe, andererseits wird dem Kunden suggeriert, dass eine Desinfektion (Vernebeln von Wirkstoffen) oder gar eine Luftreinigung unbedingt nötig sei. Diese hat jedoch meist die gegenteilige Wirkung: Pilzbestandteile aus einer unzureichenden Reinigung können dann analytisch nicht mehr nachgewiesen werden.

 

Eine Sterilisierung von Räumen mit fungiziden Wirkstoffen (Vernebeln) im Zuge einer Sanierung wird daher, außer in Sonderfällen, im Allgemeinen als überflüssig und kontraproduktiv erachtet. Sowohl dasdeutsche Umweltbundesamt, der Bundesverband für Schimmelsanierung und technische Bauteiltrocknung  als auch der Arbeitskreis Innenraumluft am Umweltministerium raten von Desinfektionsmaßnahmen mit nicht nur kurzfristig wirksamen Präparaten als Standardmethode für Schimmelsanierungen auch deshalb dringend ab, da gesundheitliche Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Abbildung: Colibakterien

Bakterien sind immer in Innenräumen vorhanden - auf unserer Haut siedeln etwa 100.000 Bakterien pro Quadratzentimeter. Ein beliebter Trick von Geschäftemachern ist nun eine Messung der Bakterienkonzentration (die, außer in Krankenhäusern, wenig aussagekräftig und daher auch nicht sinnvoll ist), um dann teure Desinfektionen (Vernebelungsmaßnahmen zum Erreichen von "Keimfreiheit") zu verkaufen. Davon ist eine sinnvoll Hygieneuntersuchung von Klimaanlagen oder bei Fäkalschäden zu unterscheiden.

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